Frank Müller,

Immobilienmakler und Sachverständiger

Text | Frank Müller   Foto |  Bettina Oswald

Juni 2022

Immobilienpreise für Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen sinken

Seit dem Jahr 2010 kannten die Immobilienpreise in Wuppertal und dem Bergischen Land nur die Richtung nach oben. Zwischen den Jahren 2010 und 2016 waren die Preissteigerungen mit etwa zwei bis drei Prozent jährlich noch moderat. Ab dem Jahr 2017 nahm die Preisentwicklung dann weiter Fahrt auf. Die Immobilien wurden jährlich zwischen sieben und etwa zehn Prozent teurer. Der Höhepunkt dürfte im Jahre 2021 mit Zuwächsen von ca. 15
Prozent erreicht worden sein.


In mehreren Schritten haben nun die Banken die Zinskonditionen für Baufinanzierungen seit Jahresbeginn sehr deutlich erhöht. Während Anfang Januar Baufinanzierungskredite noch zu einem Zinssatz von etwa 1,2 Prozent zu haben waren, wird es nun schwierig, Konditionen unter drei Prozent zu bekommen (bei zehnjähriger Zinsbindung). Für diejenigen, die für den Erwerb eines Hauses oder einer Wohnung zum Beispiel 300.000,- Euro aufnehmen
müssen, bedeutet dies eine Mehrbelastung von etwa 450,- Euro monatlich.

Für viele Kaufinteressenten wird die Luft dünner. Die Nachfrage sinkt.


Auf eine sehr langfristige Verschuldung für ein Eigenheim lassen sich Kaufinteressenten nur ein, wenn ein sehr hohes Maß an Arbeitsplatzsicherheit vorhanden ist. Niemand möchte in der Darlehensphase sein Eigenheim verkaufen müssen oder eine Zwangsversteigerung erleben. Auch hier bestehen, unter anderem ausgelöst durch den Krieg in der Ukraine, erhebliche Unsicherheiten – für Arbeitsnehmer und Unternehmer. Nicht funktionierende
Lieferketten, Engpässe beim Frachtverkehr, fehlende Rohstoffe etc. machen vielen Unternehmen deutlich zu schaffen.


Durch die Erhöhung der Zinskosten – bislang um etwa 150 Prozent in diesem Jahr – und zusätzlich schlechte konjunkturelle Erwartungen und damit verbundene Verlustängste, die Arbeitsplätze betreffend, werden die Immobilienpreise nicht weiter steigen. Im Gegenteil, es sind Preisrückgänge

zu erwarten.


Schon jetzt stellen wir fest, dass sich die Nachfrage etwas abschwächt
und die Preissensibilität bei den Interessenten zunimmt. Da die Immobilien-

märkte jedoch überaus träge auf Veränderungen reagieren, ist in diesem Jahr nicht mit zweistelligen Verlusten (in Prozent) zu rechnen. Ein Preisrückgang von zwei bis fünf Prozent ist in diesem Jahr – spätestens jedoch im nächsten –
hingegen sehr wahrscheinlich.

 

 

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