Frank Müller, Chartered Surveyor – Bachelor Immobilienmanagement,

Inhaber von fmi Frank Müller Immobilien in Wuppertal

Foto | Bettina Oswald – Text | Frank Müller

Oktober 2021

Wissenswertes zu              Naturgefahren und Immobilien

2018 erreichte uns in Wuppertal ein „Jahrhundertregen“. Nur drei Jahre später zog der „Jahrtausendregen“ über das Land. Wir dürfen gespannt sein, welches Superlativ als nächstes erfunden wird, wenn in immer kürzer werdenden Abständen aus abstrakten Naturgefahren konkrete Milliardenschäden werden.


Zu den wesentlichen Naturgefahren zählen Starkregen, Hochwasser,
Waldbrände, Blitzschlagereignisse, (Winter-)Stürme, Schneelasten, Hagelereignisse, Hitze und Erdbeben. Regional sind die Risiken des Eintritts dieser Ereignisse sehr unterschiedlich. Wer mitten in der Stadt wohnt, wird sich um übergriffige Waldbrände wenig sorgen müssen. Die Hochwasserrisiken sind gering, wenn keine Bäche, Flüsse oder sonstige Gewässer in der Nähe sind. Zum Teil ist jedoch die Mikrolage einer Immobilie entscheidend für die
Risikoeinschätzung.


Alle Naturgefahren haben gemeinsam, dass sich der Zeitpunkt des Eintritts eines Schadenereignisses nicht langfristig prognostizieren lässt, sondern nur sehr kurzfristig, wenn überhaupt Prognosen vorliegen. Die Gefahrenarten wirken auf unterschiedliche Gebäudeteile ein. Blitzschläge treffen Häuser naturgemäß oben, Hochwasser- oder Starkregenereignisse wirken von unten nach oben. Mit dieser simplen Erkenntnis lässt sich baulich Vorsorge treffen.
Beispielsweise können hochwertige Blitzschutzanlagen an Gebäuden Risiken reduzieren. Hochwasserbarrieren baulicher Art vor dem Gebäude oder z. B. als Schutz- oder Sperrplatten direkt am Gebäude kann das Eindringen von Wasser unterbinden oder wenigstens reduzieren. Hitze führt selten zu unmittelbaren Gebäudeschäden. Intensive und langanhaltende Hitzeperioden reduzieren
jedoch die technische Lebensdauer von Bauteilen wie z. Bitumenschindel-eindeckungen, Schweißbahnen etc. Das Risiko von Bauteilschädigungen    durch Schneelasten lässt sich nur konstruktiv reduzieren (z. B. durch eine starke Dachneigung) oder der Schnee muss möglichst frühzeitig beseitigt werden. Das Problem bei Schneelasten ist, dass sich das Gewicht des Schnees signifikant erhöht, wenn es taut.


Ist der Schaden eingetreten, freut sich jeder Eigentümer, der für das Schaden-ereignis Versicherungsschutz genießt. Viele Schäden können durch eine Elementarschadenversicherung gedeckt werden. Jedoch haben diesen Einschluss viele Gebäudeeigentümer nicht vorgenommen, trotz der meist überschaubaren Kosten. Es ist also angeraten, den Umfang der Gebäude-versicherung zu überprüfen. Die Versicherungen sind jedoch nicht verpflichtet, eine entsprechende Eindeckung vorzunehmen. In bestimmten Lagen lehnen die Versicherungen beispielsweise Hochwasserrisiken grundsätzlich ab. Auch wer schon für entsprechenden Versicherungsschutz gesorgt hat, ist damit nicht endgültig aus dem Schneider. Die Versicherung kann (und wird) den Ver-sicherungsschutz kündigen, wenn mehrfach Schäden auftreten oder der Schadenumfang erheblich ist und das Risiko eines erneuten Eintritts besteht. Wir empfehlen schon beim Hauskauf, die Naturgefahren zu berücksichtigen und zu prüfen, ob Risiken (auch nachhaltig) versicherbar sind.


Ein wirklich exzellentes Tool bietet das Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung. Unter www.gisimmorisknaturgefahren.de lässt sich grundstücksscharf die Risikointensität für die jeweiligen Gefahren erkennen.
Zudem lässt sich die jährlich zu erwartende Schadenhöhe in Euro ermitteln.

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